DER FIRMLING – von Karl Valentin und Lisl Karlstadt

Firmpate und Firmling haben schon das eine oder andere Glas über den Durst getrunken, als sie eine edle Weinkneipe betreten, in die sie eigentlich nicht richtig hineingehören. Sie stoßen aus Versehen den Tisch um und werden von der hochnäsigen Bedienung nicht freundlich behandelt. Der Pate bestellt einen Emmentaler, der hier Affentaler heißt und in einer Flasche serviert wird. So bleibt ihnen nichts anderes übrig, als die Schnapsflasche zu leeren. Während der Firmling die Toiletten aufsucht, da ihm nach einer Zigarre schlecht wurde, pöbelt der Pate gegen die anderen Gäste. Der Besuch in der Gaststätte endet damit, dass beide vor die Tür gesetzt werden.

Der Firmling erfreut sich bis zum heutigen Tag ungebrochener Beliebtheit: Im Erscheinungsjahr wegen „Verhöhnung der Religion“ kontrovers diskutiert und als Filmversion 1934 von der katholischen Kirchenbehörde mit Jugendverbot belegt, blieb die bitterböse Groteske um den Firmling Pepperl und seinen promillenten Vater auf deutschen Bühnen quicklebendig und unzerstörbar.
Der Lübecker Regisseur Matthias Kauffmann und sein Team stellen sich der Herausforderung, das kleine Meisterwerk in das Jahr 2012 zu holen, mit dem Ziel, es dabei weder zu zertrümmern noch „Reliqienverehrung“ zu betreiben. Vielmehr gilt es, den ungekürzten Originaltext mit allen Mitteln des Theaters auf vorhandene Schlaglöcher und psychologische Abgründe zu untersuchen. Zu erleben ist eine tiefschwarze Groteske zum Lachen und Nachdenken.

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Mit: Anna März, Justus Dallmer, Julian Bayer
Regie: Matthias Kauffmann
Bühnenbild: Jonaid Khodabakhshi
Maske: Tatjana Gassl
Produktionsleitung: Dietmar Höss

Verstörung und ekliger Sozialrealismus statt Volkstheater.

(ovb-online, 06.02.2013)

Premiere: 16. Dezember 2012
Premiere Vetternwirtschaft Rosenheim: 01. Februar 2013

Eine Produktion des Rationaltheaters München
Mit Unterstützung von