FRÄULEIN ELSE – von Arthur Schnitzler

Fräulein Else, auf der Schwelle vom aufmüpfigen Teenager zur jungen Frau, eingesperrt zwischen Konventionen und dem Wunsch, alle Fesseln zu sprengen, hat ein Problem: Wieder einmal hat ihr Vater, der genialische, jedoch verantwortungslose Rechtsanwalt, Mündelgelder veruntreut. Else soll einspringen und den alten Familienfreund und Kunsthändler Dorsday um Geld bitten. Doch dieser verlangt eine Gegenleistung: Er will „das Kunstwerk Else“ nackt sehen.

Else weiß nicht mehr ein noch aus: Das Mädchen aus dem Fin de ciècle wird vom Sturm der Gedanken mitgerissen, der stream of consciousness droht zu explodieren! Else, für die alles immer nur ein (Schau)Spiel war, landet unsanft in der Realität, wehrt sich mit Händen und Füßen – „Ich will nicht mehr weiterspielen!“ –, sondiert die Möglichkeiten: Sich ausziehen? Den Vater ins Gefängnis wandern lassen? Dorsday umbringen? Den Vater umbringen? Sich selbst umbringen?
Der Freud-Fan Arthur Schnitzler verknüpft in seinem Text die junge Psychoanalyse mit Sprachgewalt und alptraumhaften Bildern, worauf die Inszenierung aufbauen möchte.

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Mit: Johanna Weiske
Regie: Dominik Frank
Assistenz: Dena Brunner, Verena Regensburger, Tobias Zettelmeier
Bühne / Licht / Video: Julie Boniche
Produktionsleitung: Dietmar Höss

Regisseur Dominik Frank inszeniert Schnitzlers Monolog-Novelle mit nur einer Schauspielerin. Johanna Weiske als Fräulein Else, als Dorsday, Gnädige Frau, Portier oder Cousin Paul liefert eine großartige, ergreifende Leistung. Ganz allein füllt sie die Bühne besser, als es anderswo einem ganzen Ensemble gelingt. Ihre Textsicherheit ist nützlich und wichtig, das, was sie aus dem leicht gekürzten Originaltext macht, große Kunst. Weiske arbeitet den facettenreichen Charakter und die aufgewühlte Gefühlswelt von Else intensiv heraus. Einmal ganz das freche Mädchen, dann wieder die sexuell erregte, attraktive junge Dame, im nächsten Moment liebende Tochter eines angesehenen Mannes oder gedemütigte Sklavin der Männerwelt – in all diesen von der Gesellschaft geprägten Rollenbildern ist das Fräulein Else gefangen.

(ovb-online.de, 26.01.2013)

Dieses Stück auf die Bühne zu holen ist zwar keineswegs neu, aber die Charakterisierung Elses auf diese erfrischende Art, wie Johanna Weiske sie zuwege bringt, ist hervorragend.

(Theater-to-go, 10.01.2014)

Premiere: 06. Januar 2013

Weitere Aufführungen:
In der Vetternwirtschaft Rosenheim:
19. / 24. / 25. Januar 2013

Im Rationaltheater:
03. / 04. / 17. / 18. Februar, 01. / 02. April 2013

In der Galerie Dürr:
14. September 2014

Eine Produktion des Rationaltheaters München

Mit Unterstützung des V.f.b.K. e.V. Rosenheim
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