BESCHREIBUNG EINES KAMPFES von Franz Kafka

Und die Menschen gehen in Kleidern
schwankend auf dem Kies spazieren
unter diesem großen Himmel,
der von Hügeln in der Ferne
sich zu fernen Hügeln breitet.

Ein namenloser Erzähler verlässt mit seinem Bekannten eine Soirée und begibt sich auf einen Spaziergang durch das nächtliche Prag, auf den Laurenziberg. Vom Wunsch nach Einsamkeit wie der Sehnsucht nach Gesellschaft getrieben, verliert sich der Protagonist in Gesprächen und Reflexionen, die das Problem der Scheinidentität als Zwiespalt sichtbar werden lassen. Diese Textträger sind voneinander abhängig und bedingen einander, auf der Suche nach einer Form, in der sie existieren können, auf der Suche nach Körpern, dem Realen. Der Kampf der Ich-Erfindung, der mit Qual und Verletzung einhergeht, ist Aufstieg und Untergang, ist ein immer währender Widerstreit sich anziehender und abstoßender Kräfte – ein Kampf des Subjekts mit der Außenwelt, seinem gegenüber und sich selbst. Die Wunde in der Wunde ausfindig machen, um überhaupt bestehen zu können. Am Ende der langen Wanderschaft durch die Untiefen des Verstandes steht der reale Schmerz. Nur im Moment der Verletzung ist das Wirkliche fühlbar. Ein Augenblick der Freiheit.
Kafkas Fragment beschreibt nicht die Welt, es lässt Welten wie flüchtige Gedankengänge durch Worte entstehen und sogleich wieder vergehen. Der Wunsch nach Bestand findet keine Erfüllung, solange die Gedankenmaschine im selben Moment aufbaut und einreißt. Die Deformation der Wirklichkeit ist auch eine Dekonstruktion des Subjekts. Das durchscheinende Krisenbewusstsein der Jahrhundertwende zeigt Parallelen zur heutigen Zeit: Denn was ist das 21. Jahrhundert anderes als „eine Seekrankheit auf festem Lande“…?

Die Kollektive RegieAlsFaktor und Collectif L‘Homme révolté widmen sich gemeinsam der frühen Erzählung Beschreibung eines Kampfes von Franz Kafka. An der Schnittstelle von Literatur, Theater, Video und Performance schaffen sie einen Raum, in dem das Verhältnis von Realität und Imaginärem verhandelt wird und gehen dem Phänomen der Körperlichkeit auf den Grund.

Schauspiel/Performance:
Lisa Oertel, Anne Römeth, Clara Becker-Jostes

Bühnenbild/Raumkonzept: Lars Altemann, Kalas Liebfried, Stefan Natzel
Technische Assistenz: Jonaid Khodabakhshi
Musik: Kalas Liebfried (Komposition&Leitung, Piano/Gitarre/Schlagwerk),
Christina Rings (Geige/Schlagwerk),
Dominik Sedlmayr (Bass/Kontrabass)
Dramaturgieassistenz: Christina Rings
Dramaturgie: Ayna Steigerwald
Regieassistenz: Amelie Haller

Regie: Dominik Frank
Produktion: Dietmar Höss, Ayna Steigerwald

Eine Produktion des RATIONALTHEATER MÜNCHEN e.V.
in Zusammenarbeit mit:
RegieAlsFaktor & Collectif L’Homme révolté

Mit freundlicher Unterstützung des Bezirksausschusses 12 Schwabing-Freimann

 

PREMIERE ~ So, 04. Mai

Weitere Vorstellungen:
Mi, 07.05. ~ Do, 08. ~
Mi, 21. ~ Do, 22. Mai ~~
Mi, 04. ~ Do, 05. ~ Fr, 06. Juni