GESCHICHTEN VOM KÜBELKIND

 

GESCHICHTEN VOM KÜBELKIND
eine anarchische Filmserie – von Ula Stöckl und Edgar Reitz

Fast 50 Jahre ist es her als im Münchner Rationaltheater täglich – außer montags – für 3,50 DM die 22 Geschichten vom Kübelkind à la carte und portionsweise gezeigt wurden. Kein Film für stille Feiertage befand die FSK (Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft) und wollte eine 96minütige Kinofassung nicht unter 18 Jahren und nicht unter einem halben Dutzend Schnittauflagen freigeben. „Die Geschichte vom Kübelkind, einem Außenseiter der Gesellschaft“, heißt es in der Begründung des sogenannten Jugendentscheids, „sind für Jugendliche unter 18 Jahren verwirrend und unvollständig. Der Film ist randvoll mit unsittlichen Redensarten. Die Verunglimpfung religiöser Werte, hier wohl als Parodie, ist für Jugendliche im höchsten Grade abträglich.“

Die Vorführungen im Rationaltheater waren so erfolgreich, dass die einzige 16mm-Fassung in wenigen Jahren verschlissen wurde. Sie galt lange Zeit als nicht restaurierbar. Erst 2017/2018 waren die technischen Voraussetzungen vorhanden, so dass ARRI Media den Film in seiner vollen Länge wieder herstellen und digitalisieren konnte. Nach der Uraufführung des restaurierten Films auf der 68. Berlinale im Februar 2018 kommen „Die Geschichten vom Kübelkind“ zusammen mit Robert Fischers Dokumentarfilm „Der Film verlässt das Kino: Vom Kübelkind-Experiment und anderen Utopien“ zurück ins Rationaltheater.

Pressezitate
Diese bislang 22 Kurzfilme einer Serie (geplant sind insgesamt 64 Folgen) gehören meiner Meinung nach zum Wichtigsten und Gelungensten, was der deutsche Film in den letzten Jahren hervorgebracht hat. Ekkehard Pluta, Film International, Berlin 01.07.1971

Ein Film von so sinnlicher Intelligenz, auf so phantasievolle Art Didaktik mit Spaß verbindend, von so ingeniösen Einfällen, daß man aus dem Staunen nicht herauskam und vom Staunen nicht aus der Betroffenheit. M. Delling, Dt. Allg. Sonntagsblatt, Hamburg, 07.1971

Die Lust am Kino, hier ist sie wieder vorhanden, paradoxerweise in einem Film, der sich im herkömmlichen Kino nicht aufführen läßt. Wilhelm Roth, Recklinghausener Zeitung, 08.07.1971

Welchen Reitz liebt man am Ende am meisten? Welcher bringt einen hier und jetzt weiter? Der Epiker? Der Handwerker? Der Träumer? Vielleicht der von seiner Zeit und Welt bewegte Mann, der mit Ula Stöckl GESCHICHTEN VOM KÜBELKIND (1970) machte, eines der großartigsten Werke des bundesdeutschen Films. Das Kübelkind ist nicht brav. Es ist so asozial wie alle Kinder, denen die Eltern nicht das letzte bisschen Selbst wegerzogen haben, oder vielleicht noch ein bisschen mehr. Die Geschichten sind manchmal eklig und manchmal erschreckend und manchmal komisch und manchmal drollig. Geschichten vom Kübelkind ist durch und durch Kino in 23 Geschichten. Man könnt sein ganzes Leben mit den 204 Minuten der Geschichten vom Kübelkind verbringen. Olaf Möller, in: „Provokation der Wirklichkeit: Das Oberhausener Manifest und die Folgen“ (2012)

Darsteller
Das Kübelkind: Kristine de Loup
Kreditfachmann: Brundo Bendel
d’Artagnan / ein guter Mensch: Alf Brustellin
Schwiegermutter: Ilse Brustellin
Schwiegervater / Graf Rochefort: Hans-Heinrich Brustellin
Hebamme: Antje Ellermann
Frau Dr. Wohlfahrt: Heidewig Fankhänel
Der junge Mönch: Peter Finkenstaedt
Lord Winter: Jaques Freers
Schaubudenbesitzerin: Josette Genet-Bollinger
Vater von Kübelkind / M. de Treville: Albert Guilhamot
Schaubudenbesitzer: Karl Hauer
Königin / Wirtin / schwangere Frau: Erika Heffner
Hurenmörder: Werner Herzog
Bräutigam: Peter Hohberger
Diverse Pfarrer / Kardinal: Alexander Kaempfe
Musketier Aramis / Polizist: Ekkehart Kühn
Kaufhausdiebin: Maxi Mainka
Musketier Athos: Rainer Ostendorf
Kübelkinds Pflegebruder: Reiner Prier
Al Capone: Hans Sukopp
besonders nette Eltern: Hannelore Ulfers,Heike Ulfers
Großkämmerer beim König: Wolfgang von Ungern-Sternberg

Stab
Produktion: Edgar Reitz, Edgar Reitz Filmproduktion, 1969-71
Buch und Regie: Ula Stöckl, Edgar Reitz
Kamera: Edgar Reitz
Aufnahmeleitung: Jobst Neuschäffer
Ton: Guido Reitz
Schnitt: Jessy von Sternberg
Musik: Ekkehart Kühn

Restaurierung
ARRI MEDIA / REITZ MEDIEN, 2017/2018 mit Unterstützung der FFA, Förderung der Digitalisierung des deutschen Filmerbes

Gesamtlänge: 220 min., 1:1.37, Academy 4k-DCP + Daten-Files, Ton: Stereo
22 Episoden, Farbe + Schwarz-Weiss

Verleih / Weltvertrieb
Edgar Reitz Filmstiftung – www.edgar-reitz-filmstiftung.de

Veranstaltet von der Edgar Reitz Filmstiftung mit Unterstützung des Rationaltheater München e.V.

Vorstellungen

Do. 15. 3. 19:30 Uhr:  Der Film verlässt das Kino // In Anwesenheit von Robert Fischer
Fr. 16. 3. 19:00 Uhr: Geschichten vom Kübelkind // In Anwesenheit von Edgar Reitz
Sa. 17. 3. 19:00 Uhr: Geschichten vom Kübelkind // In Anwesenheit von Edgar Reitz
So. 18. 3. 14:00 Uhr: Geschichten vom Kübelkind // In Anwesenheit von Edgar Reitz
So. 18. 3. 18:00 Uhr Der Film verlässt das Kino // In Anwesenheit von Robert Fischer

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