DER UNBEKANNTE – von Heiner Müller

Ein Mann findet sich in einem Fahrstuhl wieder. Er ist umstellt von unbekannten Männern. Die Fahrt im Fahrstuhl ist der leidvolle Weg zum Chef. Motiv unbekannt. Soll er befördert werden? Droht seine Entlassung? Erwartet ihn ein Auftrag?
Die Fahrt zum Chef entpuppt sich als Karussell von Zeitlichkeit, in der Gedanken plagend kreisen und kreisen und kreisen. Der Mann entkommt seinem Gefängnis und steht auf einer Dorfstraße in Peru. Wie dreht sich hier die Welt? Nach rechts, links, oben oder unten? Und worum? Angst? Liebe? Tod? Fahrstuhl zu, Affe tot.

„Der Text versucht den Traum zu beschreiben, die Beschreibung kann nur eine Fortschreibung sein, eine Fälschung. Der Zwang die Flucht der Bilder als Folge darzustellen, wie tote Falter im Schaukasten, ergibt die Lebenslüge des Zusammenhangs, die Illusion der Bedeutung. Der Traum arbeitet mit anderem Material als dem schreibenden Bewusstsein zur Verfügung steht. Schon die Farben, die der Text den Bildern aufträgt, sind Interpretation, Schutz gegen den Sog, der von der andern Wirklichkeit des Traums ausgeht, die Strahlkraft seiner Bilder, das Vernichtungspotential seiner Dunkelzonen, in dem vielleicht seine Heilkraft beruht. Auch der Kommentar nur eine Ausflucht, Angst um die eingebildete Souveränität des Autors, die der Traum allnächtlich in Frage stellt.“ (H. Müller: Traumtext).

Mit: Andreas Gießer, Maria Gerlinger, David Niederer, Martin Petschan, Thomas Wegler, Melodi Yüce, Guido Verstegen
Es spielt: Lisa Oertel
Regie: Benjamin Zock
Bühnenbild: Ermert/Gesierich/Schieri/Zock
Technischer Leiter: Moritz Ermert

Premiere: 21. April 2013

Eine Koproduktion des Rationaltheaters München mit der stb-LogoStudiobühne der Theaterwissenschaft der Ludwig-Maximilian-Universität München