TRUE

Jeden Tag werden wir mit unzähligen Nachrichten überhäuft, konfrontiert mit einer endlosen Zahl an Informationen, aus denen wir nur einen Bruchteil des für uns Relevanten herauszufiltern vermögen. Wir verlassen uns dabei darauf, dass das, was uns tagtäglich in den Nachrichten präsentiert wird, der Wirklichkeit entspricht, die Wahrheit abbildet. Ein solcher Prozess setzt ein tiefes Grundvertrauen in all jene voraus, die uns diese Informationen zur Verfügung stellen: globale Nachrichtenagenturen, Nachrichtensender, Zeitungen und ihre Redaktionen, Journalisten und Reporter.

Im Jahr 1981 veröffentlichte die US-amerikanische Journalistin Janet Cooke ihre Reportage „Jimmy’s World“ in der Washington Post und erhielt dafür den Pulitzer Preis, den wichtigsten amerikanischen Literaturpreis. Doch ihre Reportage war komplett erfunden. Die Geschichte des achtjährigen drogenabhängigen Jimmy hatte weitreichende Folgen, nicht nur für Cooke, sondern für den Journalismus selbst. Die Aktienkurse der Washington Post sanken drastisch, aber was noch bedeutender war: das so wichtige Grundvertrauen in den Journalismus, in die Medien wurde nachhaltig beschädigt.

TRUE, das neue Stück des Rationaltheaters, versetzt die Geschichte Janet Cookes (hier Anna Smirnow) in die Gegenwart. In der Ruinenlandschaft der deutschen Medien, in der die Lüge wie eine Bombe eingeschlagen ist, versucht Annas Kollege Claas Julian herauszufinden, was eigentlich hinter der gelogenen Reportage steckte. Auf seiner Suche gerät er immer weiter in eine Konfrontation mit den Mediengesellschaften, ihren internen Vorgängen und Arbeitsprozessen, die die Wirklichkeit nach unternehmerischer Relevanz und politischen Interessen sortieren und Meinungsvielfalt nur noch vordergründig darstellen. Die letzte Hoffnung auf eine reine, universelle Wahrheit innerhalb der Medienkultur, für die Anna Smirnow einstand, scheint mit ihrem Selbstmord, der auf die Veröffentlichung ihrer Reportage folgt, zu verschwinden. Zurück bleibt nur die gravierende Erkenntnis, dass sich mit ihrem Tod auch der aufrechte Journalismus endgültig zugrunde gerichtet hat.

 

 

Mit Jurij Diez und Lucia Knöpfel
Radioprecher: Sabine Heckmann, Fiona Bumann, Elisabeth Balakina, Heike Bogenberger, Elisabeth Förg, Lena Halve, Charlotte Herold, Paul Lendle, Jonas Näther, Lucas Näther, Thomas Stampka, Kilian Buttner

Buch: Roy Prinzessin
Textentwicklung: Dr. Daniel Graziadei, Fanny Klos, Slata Roschal

Regie: Dietmar Höss
Regieassistenz: Fiona Bumann

Komposition: Lucia Knöpfel
Komposition Video: Marc Dorendorf
Videoproduktion: David Recher und Krešimir Knezović‘

Bühnenbild: Markus Katzenbogner
Bühnenbau: Indi Schmid

Licht-/Ton-Technik: Vincent Sollinger
Fotografie: Mario Steigerwald
Grafik: Alejandro Calderon

Produktionsassistenz: Elena Llopis
Produktion: Dietmar Höss

   

 

Einlass: 19 Uhr
Beginn: 20 Uhr
Eintritt: 20 Euro / erm. 10 Euro

Karten unter: ticket@rationaltheater.de