Als der 1932 geborene Industriellensohn 1973 das Tabu der Kollaboration von Franzosen während der deutschen Okkupation filmisch aufarbeitete, erschütterte das Frankreich.
Verrat, das Thema des Films, griff er 14 Jahre später ein weiteres mal auf und erzählt mit entspannter Distanz zu den Geschehnissen eine Episode aus seiner eigenen Jugend, in der er die absurde Welt der Erwachsenen mit ihrer sinnlosen Gewalt und ihren permanenten Vorurteilen entdeckt.
Der Film brennt sich zweifellos tief ins Gedächtnis und bündelt einen solch bedrückenden Wust an Emotionen, dass es einen am Ende beinahe aus den Schuhen haut. Ohne die Spoilerfalle an dieser Stelle zuschnappen zu lassen: Eindringlicher hat es selten ein Filmemacher verstanden die Schuldfrage auf den gebrechlichen Schultern eines Kindes auszutragen, um dabei im gleichen Moment zu verdeutlichen, dass es in dieser in Flammen stehenden Welt, zu dieser so zerrütteten Zeit des zweiten Weltkriegs, kaum einen Menschen gab, der eindeutig schuldig an irgendetwas gewesen ist, vor allem kein 12-Jähriger.
Der Franzose schuf ein Meisterwerk, das die Art von Einfachheit, Leichtigkeit und Detailfülle hat, welche nur ein Filmemacher in kompletter Beherrschung seiner Kunst vollbringen kann, und das auch nur selten.
Er selbst kommentiert seinen Welterfolg pragmatisch.
»1944 ist weit weg, doch ich weiß, dass ein Jugendlicher von heute meine Gefühle teilen kann. Denn Ungerechtigkeit und Rassismus sind nicht verschwunden.«
16mm Film – Jeden 16. Im Monat | Eintritt: 5€ / FREIER EINTRITT für alle die herausfinden wie der Film heißt und wer das Drehbuch geschrieben hat !
Auszeichnungen
Oscar Nominiert in den Kategorien:
- Bester fremdsprachiger Film
- Bestes Original-Drehbuch
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British Academy Film Award 1989
- Beste Regie
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Nominiert in den Kategorien:
- Bester Film
- Bester nicht-englischsprachiger Film
- Bestes Original-Drehbuch
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Golden Globe Awards 1988
- nominiert als bester fremdsprachiger Film
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César 1988
- Bester Film
- Beste Regie
- Bestes Drehbuch
- Beste Ausstattung
- Beste Kamera
- Bester Schnitt
- Bester Ton
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Internationale Filmfestspiele von Venedig 1987
- Goldener Löwe für den besten Film
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Bodil 1989
- Bester europäischer Film
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David di Donatello1988
- Bester ausländischer Film
- Bester ausländischer Regisseur
- Bestes Drehbuch für einen ausländischen Film
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Europäischer Filmpreis1988
- Bestes Drehbuch
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Syndicat Francais de la Critique de Cinéma1988
- Bester Film
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Gilde Filmpreis 1989
- Bester Film
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London Critics Circle Film Award 1990
- Bester fremdsprachiger Film des Jahres
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ZUR REIHE
Filme mit Brisanz: Die seit Ende des 19. Jahrhunderts bis weit in die 1950er Jahre verwendeten Filmträger auf Nitratbasis wurden mit Schwefel- und Salpetersäure aus Baumwollresten hergestellt. Dieses hochbrisante Gemisch ist nichts anderes als Schießbaumwolle und hat eine höhere Sprengkraft als Schwarzpulver. Filme mit Nitrozelluloseträger fallen deshalb heute unter das Bundessprengstoffgesetz.
Im Rahmen unserer Reihe FORGOTTEN NITRO spüren wir verschollene Filme auf, die einen großen Einfluss auf die Geschichte der Kinematografie hatten. Mit dieser Initiative möchten wir nicht nur diese längst vergessenen Schätze wieder zugänglich machen, sondern auch die unverwechselbare Wärme und Tiefe des analogen Films auf die Leinwand bringen.
Wir glauben, dass Bilder auf Zelluloid eine ganz besondere Ästhetik besitzen, die digitale Formate oft nicht erreichen können. In FORGOTTEN NITRO zeigen wir die wiederentdeckten Kopien auf originalem 16mm Material, was das Rationaltheater zu einem der letzten Orte in München macht, in dem das Publikum die Möglichkeit hat, kinematographisches Erbe in seiner authentischen Form zu erleben.





